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Ebenbild unsers Lebens

Der Mensch, das Spiel der Zeit, spielt, weil er alleine lebt,
Im Schauplatz dieser Welt, er sitzt und doch nicht feste.
Der steigt und jener fällt, der suchet die Paläste
Und der ein schlechtes Dach, der herrscht und jener webt.
 
Was gestern war, ist hin, was jetzt das Glück erhebt,
Wird morgen untergehn. Die vorhin grüne Äste
Sind nunmehr dürr und tot. Wir Armen sind nur Gäste,
Ob den' ein scharfes Schwert an zarter Seide schwebt.
 
Wir sind zwar gleich an Fleisch, doch nicht von gleichem Stande
Der trägt ein Purpurkleid und jener gräbt im Sande,
Bis nach entraubtem Schmuck der Tod uns gleiche macht.
 
Spielt denn dies ernste Spiel, weil es die Zeit noch leidet,
Und lernt, daß, wenn man vom Bankett des Lebens scheidet,
Kron, Weisheit, Stärk und Gut sei ein geborgter Pracht.

Andreas Gryphius 

Heute späte Nachmittag hat ein mit 3 jugendlichen Besetzter PKW die Kontrolle auf einer Bundesstraße verloren. Der PKW brallte ungebremst mit der Fahrerseite gegen einen Baum. Der Fahrer und sein Beifahrer waren sofort tot. Die dritte Person hat schwerverletzt überlebt.

Die Personen im PKW waren nicht älter als 24 Jahre.

Sie waren wahrscheinlich auf dem Weg zu einer Party.

Im Fahrzeug waren große Mengen Alkohol.

Es war nicht möglich die Automarke zu erkennen.

Um den Beifahrer zu bergen musste der komplette PKW von der Feuerwehr zerschnitten werden.

Mein Herz ist schwer, die Trauer groß.

Es fällt mir nicht leicht mich auf etwas anderes zu Konzentrieren.

Kein Mensch sollte so sterben, oder Menschen so sterben sehen.

Tut euch einen gefallen, schnallt euch beim Autofahren an und nehmt den Fuß vom Gas; es erspart euch und eurer Familie event. sehr viel Leid.

Über einem Grabe

Blüten schweben über deinem Grabe.
Schnell umarmte dich der Tod, o Knabe,
Den wir alle liebten, die dich kannten,
Dessen Augen wie zwei Sonnen brannten,
Dessen Blicke Seelen unterjochten,
Dessen Pulse stark und feurig pochten,
Dessen Worte schon die Herzen lenkten,
Den wir weinend gestern hier versenkten.
 
Maiennacht. Der Sterne mildes Schweigen...
Dort! ich seh es aus der Erde steigen!
Unterm Rasen quillt hervor es leise,
Flatterflammen drehen sich im Kreise,
Ungelebtes Leben zuckt und lodert
Aus der Körperkraft, die hier vermodert,
Abgemähter Jugend letztes Walten
Letzte Glut verrauscht in Wunschgestalten,
 
Eine blasse Jagd:
Voran ein Zecher,
In der Faust den überfüllten Becher!
Wehnde Locken will der Buhle fassen,
Die entflatternd nicht sich haschen lassen,
Lustgestachelt rast er hinter jenen,
Ein verhülltes Mädchen folgt in Tränen.
 
Durch die Brandung mit verstürmten Haaren
Seh ich einen kühnen Schiffer fahren.
Einen jungen Krieger seh ich toben,
Helmbedeckt, das lichte Schwert erhoben.
Einer stürzt sich auf die Rednerbühne,
Weites Volksgetos beherrscht der Kühne.
Ein Gedräng, ein Kämpfen, Ringen, Streben!
Arme strecken sich und Kränze schweben -
 
Kränze, wenn du lebtest, dir beschieden,
Nicht erreichte!
Knabe, schlaf in Frieden!

C.F. Meyer

1 Kommentar 28.2.05 17:13, kommentieren